ET-Dokumentation
ET unterstützt Sachbearbeiter:innen in HR und Personalverrechnung bei der kollektivvertraglichen Einstufung neuer Mitarbeiter:innen — vom Lesen der Vordienstzeit-Dokumente bis zur ausgedruckten Empfehlung mit Lohngruppe und Gehaltsstufe.
Diese Dokumentation beschreibt, wie ET arbeitet, welche Logiken im Hintergrund laufen und wie du das Tool optimal nutzt. Sie ist ausdrücklich für die fachliche Anwender:innen-Perspektive geschrieben — keine technischen Interna, keine Code-Begriffe.
Wenn du neu bist, lies einfach von oben nach unten. Wenn du nach einem konkreten Begriff oder einer konkreten Regel suchst, springe über das Inhaltsverzeichnis links direkt zur passenden Sektion.
Der 4-Schritt-Workflow
Eine Einstufung läuft in ET immer in derselben Reihenfolge ab. Du kannst jederzeit zu einem früheren Schritt zurückspringen und Angaben anpassen — ET berechnet die Folgeschritte sofort neu.
Schritt 1 — KV auswählen & Stichtag setzen
Im ersten Schritt wählst du den Kollektivvertrag, der für die einzustufende Person gelten soll, und legst den Stichtag fest.
- Kollektivvertrag: Wähle aus der Karten-Übersicht den passenden KV. Jeder KV bringt seine eigenen Lohngruppen, Gehaltsstufen, Anrechnungs- und Sonderregeln mit. Die Liste zeigt nur freigegebene KVs deiner Organisation.
- Stichtag: Das ist der Tag, an dem die einzustufende Person ihre Beschäftigung beim aktuellen Arbeitgeber beginnt. Alle Beschäftigungen davor sind Vordienstzeiten und werden ab Schritt 3 geprüft.
- Der Stichtag lässt sich frei wählen oder mit dem Heute-Toggle auf das aktuelle Datum setzen.
Schritt 2 — Dokumente hochladen
Lade die Belegdokumente der einzustufenden Person hoch. ET liest sie automatisch aus und schlägt eine Liste von Vordienstzeiten vor, die du anschließend in Schritt 3 verifizieren kannst.
- Typische Dokumente: Versicherungsdatenauszug der ÖGK / SV, Dienstzeugnisse, Lebensläufe, Arbeitsbestätigungen.
- Formate: PDF (auch gescannt), JPG, PNG. Auch mehrere Dateien in einem Upload sind erlaubt — ET kombiniert die Inhalte automatisch.
- Verarbeitung: Die Dokumente werden ausschließlich im Arbeitsspeicher von ET ausgewertet. Sobald die Auswertung abgeschlossen ist, werden sie verworfen. ET speichert KEINE Dokumenten-Originale auf der Festplatte. Mehr dazu siehe Datenschutz.
Schritt 3 — Vordienstzeiten prüfen
Das Herzstück. ET präsentiert dir alle aus den Dokumenten gelesenen Beschäftigungszeiten als editierbare Tabelle. Pro Zeile kannst du:
- Datum von / bis korrigieren, falls das automatische Lesen unsauber war.
- Arbeitgeber und Tätigkeit anpassen. Korrekte Arbeitgebernamen sind besonders wichtig für die Sonderregel „Selber Arbeitgeber“ (siehe Berechnung & Regeln → Selber Arbeitgeber).
- Anrechenbar-Häkchen setzen oder entfernen — du entscheidest pro Position, ob sie in die Einstufung einfließt. ET schlägt eine Voreinstellung vor, du kannst sie immer übersteuern.
- Anrechnungsfaktor wählen (volle Anrechnung 1.0, halbierte 0.5, oder keine 0.0). ET begründet, wie der Vorschlag zustande kommt — du behältst die letzte Entscheidung.
- „Selber Arbeitgeber“-Checkbox aktivieren, wenn die Position beim aktuellen Arbeitgeber stattfand und über die KV-Höchstanrechnungsdauer hinaus zählen soll (siehe Sonderregel).
Neben jeder Zeile zeigt ET kompakte Badges („KV-Regel“, „Annahme“, „Manuell“), die transparent machen, wie der vorgeschlagene Anrechnungsfaktor zustande kam.
Schritt 4 — Empfehlung & PDF-Export
Im letzten Schritt liefert ET die finale Einstufungsempfehlung mit Lohngruppe, Gehaltsstufe, anrechenbarer Dienstzeit und einer ausformulierten Begründung.
- Lohngruppe: ergibt sich aus der Tätigkeit der einzustufenden Person und den KV-Lohngruppen-Definitionen.
- Gehaltsstufe: ergibt sich deterministisch aus der anrechenbaren Dienstzeit und der KV-Stufentabelle. ET berechnet die Stufe direkt aus den Monaten — frei von subjektiven Auslegungen.
- Begründung: ein ausformulierter Text, der die Einstufung nachvollziehbar macht (besonders nützlich für die Personalakte oder Streitfälle).
- PDF-Export: ein Klick erzeugt ein druckbares PDF mit allen Daten — inklusive der Vordienst-Liste und den relevanten Hinweisen. Auch dieser Schritt läuft ohne Speicherung auf der Festplatte ab.
Berechnung & Regeln verständlich erklärt
Dieser Abschnitt erklärt die rechnerischen Grundlagen, mit denen ET arbeitet — bewusst in Worten und Beispielen, ohne Formeln.
Die 30/360-Rechenmethode
ET rechnet Beschäftigungsdauern in der kaufmännischen 30/360-Konvention: jedes Monat hat 30 Tage, jedes Jahr 360 Tage. Das ist branchenüblich im KV-Bereich und vereinfacht Vergleichbarkeit und Berechnung.
Das echte Kalenderjahr hat 365 Tage. In ET zählt es 360. Dadurch weichen ET-Resultate immer geringfügig vom echten Kalender ab — das ist gewollt und entspricht der KV-Praxis.
Höchstanrechnungsdauer
Jeder KV legt eine Höchstanrechnungsdauer fest. Das ist die maximale Anzahl an Vordienstjahren, die in die Einstufung einfließen darf. Im KV Handel sind es zum Beispiel 7 Jahre.
Wenn die Summe der anrechenbaren Vordienste die Höchstanrechnungsdauer überschreitet, kappt ET die überschüssigen Tage. Diese werden in der Tabelle nicht entfernt, sondern als „über Höchstgrenze hinaus“ markiert — du siehst sie weiterhin, sie zählen aber nicht für die Stufenwahl.
Sonderregel „Selber Arbeitgeber“
Viele KVs erlauben eine Ausnahme von der Höchstanrechnungsdauer: Beschäftigungszeiten beim aktuellen Arbeitgeber dürfen zusätzlich zur Höchstanrechnungsdauer angerechnet werden. In ET heißt diese Regel schlicht „Selber Arbeitgeber“.
Aktiviere die Selber Arbeitgeber-Checkbox in Schritt 3 bei jeder Position, die zum aktuellen Arbeitgeber gehört. Die Sonderregel erlaubt typischerweise Lücken von bis zu 24 Monaten zwischen den Positionen desselben Arbeitgebers und bis zum Stichtag.
Überlappungen
Wenn zwei Beschäftigungen zeitlich überlappen (z. B. parallel zwei Anstellungen), rechnet ET den überschnittenen Bereich nur EINMAL an — nicht doppelt.
- Die längere bzw. besser dokumentierte Position bleibt unverändert.
- Bei der zweiten Position wird der überlappende Teil aus der Anrechenbaren Dauer abgezogen. Die Roh-Dauer bleibt sichtbar.
- In der Zeile siehst du dann zwei Werte: die Roh-Dauer und die tatsächlich anrechenbare Dauer.
Anrechnungsfaktor
Manche Positionen werden nur teilweise oder gar nicht angerechnet. ET verwendet drei Standardfaktoren:
- 1.0 — volle Anrechnung: die übliche Voreinstellung für reguläre Beschäftigungen.
- 0.5 — halbe Anrechnung: z. B. für Praktika oder bestimmte KV-Sonderregeln (etwa branchenfremde Vordienste).
- 0.0 — keine Anrechnung: z. B. AMS-Zeiten, Karenz, Wehrdienst, schulische Ausbildung ohne berufliche Relevanz. ET schlägt das automatisch vor, du kannst es jederzeit übersteuern.
Welcher Faktor vorgeschlagen wird, hängt vom KV ab. Die kleine Badge neben jeder Zeile zeigt dir transparent, woher der Vorschlag kommt: KV-Regel, Annahme oder Manuell.
Transparenz & Determinismus
ET legt Wert darauf, dass jede Empfehlung nachvollziehbar ist. Drei Prinzipien stehen dahinter:
- Nachvollziehbare Berechnung: Die Anrechenbare Dauer und die daraus folgende Gehaltsstufe werden direkt aus deinen Eingaben und der KV-Stufentabelle berechnet — nicht geschätzt. Bei gleichem Input kommt immer dasselbe Ergebnis heraus.
- Vollständiges Berechnungsprotokoll: Klicke in Schritt 3 auf „Wie wird berechnet?“ — ET öffnet ein Detail-Modal mit der Aufschlüsselung pro Zeile, der Höchstgrenzen-Anwendung und der Verbuchung der „Selber Arbeitgeber“-Sonderregel. Nichts ist versteckt.
- Regel-Quelle pro Zeile: Jeder vorgeschlagene Anrechnungsfaktor trägt ein Etikett, das seine Quelle nennt (KV-Regel / Annahme / Manuell). Du erkennst auf einen Blick, was du übersteuert hast und was direkt aus dem KV-Regelwerk kommt.
Datenschutz
ET ist von Grund auf so gebaut, dass keine Kundendaten und keine hochgeladenen Dokumente dauerhaft auf der Festplatte gespeichert werden.
- Dokumente: werden ausschließlich im Arbeitsspeicher ausgewertet und sofort nach der Auswertung verworfen. Keine Kopien, keine Backups, keine Archive auf Disk.
- Vordienst-Zeilen: werden während der Sitzung gehalten, damit du sie korrigieren und schrittweise weiterführen kannst. Schließt du den Tab oder loggst dich aus, sind sie weg.
- Änderungsprotokoll: ET protokolliert anonymisierte Metadaten (z. B. „Schritt 3 abgeschlossen, 6 Vordienst-Items verarbeitet, KV Handel“) — ohne Namen, ohne Geburtsdaten, ohne Dokumentinhalte.
- Einwilligungspflicht: Bevor Daten zur Auswertung übermittelt werden, bestätigst du dies in Schritt 2 ausdrücklich.
Häufige Fragen
01Warum bekommt eine Vordienst-Zeile bei mir das Häkchen „nicht anrechenbar“?
02Wie ändere ich den Anrechnungsfaktor einer Zeile?
03Was bedeutet das orange Warning-Banner über einer Zeile?
04Im Modal stehen Höchstanrechnungsdauer (z. B. 7 J.) und Gesamt-Anrechenbar (z. B. 14 J. 1 M.) unterschiedlich — was zählt für die Gehaltsstufe?
05Mein Item zeigt „11 M. 21 T.“ und darunter klein „gesamt 11 M. 21 T.“ — sind das zwei verschiedene Werte?
06Mein PDF wurde nicht erstellt — was tun?
07ET-Empfehlung weicht von meiner Einschätzung ab — was zählt arbeitsrechtlich?
08Ich habe in Schritt 3 etwas geändert — muss ich Schritt 4 manuell neu starten?
09Kann ich eine Einstufung später nochmal aufrufen?
10Was ist der Unterschied zwischen Lohngruppe und Gehaltsstufe?
Glossar
- Anrechenbar
- Eine Vordienst-Position zählt für die Einstufung. Das Häkchen entscheidet das pro Zeile.
- Anrechnungsfaktor
- Multiplikator für die Dauer einer Position (1.0 = voll, 0.5 = halb, 0.25 = ein Viertel, 0.0 = nicht). Bestimmt, wie viel von der Roh-Dauer in die Anrechenbare Dauer einfließt.
- Gehaltsstufe
- Position innerhalb der KV-Lohntabelle, bestimmt durch die anrechenbare Dienstzeit. Bei manchen KVs als Buchstabe (a, b, c, d), bei anderen als Zahl (1, 2, 3, …).
- Höchstanrechnungsdauer
- Maximalwert an Vordienstjahren, die in die Einstufung einfließen. KV-spezifisch (z. B. 7 Jahre im KV Handel).
- Kollektivvertrag (KV)
- Branchenspezifischer Tarifvertrag, der Lohngruppen, Stufen und Anrechnungsregeln festlegt. Wählst du in Schritt 1.
- Lohngruppe
- Position innerhalb der KV-Lohntabelle, bestimmt durch die TÄTIGKEIT.
- Regel-Quelle (Badge)
- Kleine Markierung neben einer Zeile, die zeigt, woher der Vorschlag kommt — KV-Regel, Annahme oder Manuell.
- Roh-Dauer
- Die kalendarische 30/360-Dauer einer Beschäftigung, OHNE Anwendung von Höchstgrenze, Faktor oder Überlappungs-Bereinigung.
- Selber Arbeitgeber (Sonderregel)
- KV-Sonderregel: Beschäftigungszeiten beim aktuellen Arbeitgeber dürfen zusätzlich zur Höchstanrechnungsdauer angerechnet werden. Voraussetzung: keine Lücke länger als 24 Monate zwischen den Positionen.
- Stichtag
- Trennlinie zwischen Vordienst und aktuellem Arbeitsverhältnis. Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses.
- Vordienstzeit
- Jede Beschäftigung VOR dem Stichtag. Wird in Schritt 3 als Tabelle verarbeitet.
- 30/360-Methode
- Kaufmännische Rechenkonvention: jedes Monat 30 Tage, jedes Jahr 360 Tage. Branchenstandard im KV-Bereich.
Support & Feedback
Diese Dokumentation deckt die häufigsten Anwendungsfälle ab. Wenn du auf etwas stößt, das hier nicht steht, oder einen Fehler findest: sag Bescheid.
Schreib uns mit einer kurzen Beschreibung, was du erwartet hast und was passiert ist. Ein Screenshot hilft enorm. Im besten Fall mit den genauen Schritten zum Nachstellen.
Beschreib uns kurz, welche Aufgabe du erleichtern möchtest und warum. Die meisten ET-Features sind aus genau solchen Vorschlägen entstanden.
